Atemschutz

Warum ist Atemschutz so wichtig?

Kurz gesagt wird Atemschutz überall dort verwendet, wo von einer gesundheitlichen Gefährung der Einsatzkräfte durch giftige Stoffe, welche über die Atemwege in den Körper gelangen können, ausgegangen werden muss und natürlich überall dort, wo zu wenig Sauerstoff zum Atmen vorhanden ist.

Klassische Beispiele dafür sind z.B. Brandrauch oder auch Gefahrguteinsätze mit giftigen Dämpfen.

Je nach Belastung reicht der Luftvorrat eines umluftunabhängigen Atemschutzgerätes zwischen 20 Minuten (körperlich anstrengende Arbeit) und 60 Minuten (Riegelstellung auf der Drehleiter). Da immer mindestens zwei Geräteträger im Trupp zusammen vorgehen, kann ein hoher Personalbedarf notwendig sein. Das ist vor allem bei größeren Bränden häufig der Fall. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass auf möglichst viele gesunde und aktive Atemschutzgeräteträger zurückgegriffen werden kann. Aktuell sind in der Feuerwehr Tettnang (inklusive aller Abteilungen) über 90 aktive Atemschutzgeräteträger einsatzbereit (Stand 2016).

Ausbildung und Vorraussetzungen

Damit eine Feuerwehrfrau oder ein Feuerwehrmann Atemschutz tragen darf (sei es nur eine Maske mit Filter oder ein umluftunabhängiges Atemschutzgerät mit Flasche) muss dafür einen Atemschutzlehrgang (Feuerwehrdienstvorschrift 7) erfolgreich bestanden sein. Zuvor müssen jedoch noch weitere Vorraussetzungen erfüllt sein, wie etwa eine Truppmann-Ausbildung und ein Sprechfunker-Lehrgang sowie natürlich persönliche Voraussetzungen.

Atemschutzgeräteträger müssen dabei auch eine körperliche und psychische Fitness aufweisen. So ist vor der Ausbildung sowie anschließend alle drei Jahre (bzw. ab dem 50. Lebensjahr jedes Jahr) eine umfassende ärztliche Untersuchung, die so genannte G26.3, notwendig. Diese umfasst mitunter ein Belastungs-EKG, Blutuntersuchung, Lungenfunktionsprüfung und vieles mehr. Dadurch sollen körperliche Beeinträchtigungen frühzeitig festgestellt werden.

Gefahren im Atemschutz-Einsatz

Ein Atemschutz-Einsatz kann immer mit Risiken verbunden sein. Weltweit verlieren regelmäßig Feuerwehrleute im Atemschutzeinsatz durch verschiedene Ursachen ihr Leben. Als Beispiele seien hierbei Einstürze, Kreislaufprobleme, Verbrennungen oder Verkettungen verschiedener Umstände genannt.

Deshalb ist eine fundierte Ausbildung mit regelmäßigen Übungen extrem wichtig, um im Ernstfall für viele Situationen gewappnet zu sein. Aus diesen Gründen ist eine psychische und physische Fitness zwingend notwendig.

Übungen unter Atemschutz

Übungen sind nicht nur laut FwDV7 eine absolute Pflicht (mindestens 1x pro Jahr eine einsatzrealistische Übung), sondern sie helfen auch, gewisse Routinen zu entwickeln und sich regelmäßig weiterzubilden. In der Feuerwehr Tettnang werden solche Bausteine regelmäßig in die regulären Montagsübungen eingebaut. Dabei haben die Geräteträger Aufgaben zu lösen, wie sie im Einsatz vorkommen können und auch vorkommen. Dazu zählt beispielsweise eine Personensuche samt Rettung in einem unbekannten, vollkommen vernebelten Gebäude. Auch der Eigenschutz kommt dabei nicht zu kurz. Das richtige Anlegen der persönlichen Schutzausrüstung zählt ebenso dazu, wie das korrekte Handeln in einem Atemschutznotfall, beispielsweise wenn der Kamerad im Innenangriff ein Problem mit seinem Gerät hat.

Neben diesen Montagsübungen stehen auch Sonderübungen auf dem Dienstplan, etwa wenn der mobile, gasbefeuerte Brandübungscontainer in Tettnang stationiert ist, oder auch, wenn es wieder eine im Bodenseekreis gemeinsam gestaltete Übung in einem Abrisshaus gibt.

Dabei wird auch auf die Möglichkeit zurückgegriffen, in feststoffbefeuerte Übungscontainer zu gehen, in welchen das Verhalten von Hitze und Brandrauch sehr, sehr realitätsnah erfahren werden kann.

Ausrüstung

Neben einer modernen persönlichen Schutzausrüstung (dazu zählen Helm, Handschuhe, Einsatzjacke und Atemschutz-Hose) kann der Geräteträger auf moderne Hilfsmittel zurückgreifen. So sind beispielsweise in den meisten Löschgruppenfahrzeugen im Mannschaftsraum  Wärmebildkameras installiert. Diese kann der Truppführer an sich nehmen, um beispielsweise ein vermisste Person in einem verqualmten Gebäude schneller auffinden zu können (Untersuchungen haben gezeigt, dass in einem solchen Fall eine Person bis zu 60% schneller gefunden werden kann).

Es ist nicht zu verleugnen, dass die Anzahl der Ausrüstungsgegenstände über die Jahre zunimmt. Fener könnte neben der eingeschränkten Bewegungsfreiheit das Problem aufkommen, dass ein Ausrüstungsgegenstand vergessen wird.  Aus diesem Grund  hat man in der Feuerwehr Tettnang nach einer Lösung gesucht und auch gefunden:

Durch die "Kombitasche" wird der Geräteträger entlastet. In dieser Tasche samt breiter Umhängebebänderung (kein Einschnüren mehr der dünnen Leinenbeutel) ist neben der Rettungsleine eine Schere, ein Türkeil, Türabsuchbendel, Bandschliche auch eine vakumierte Fluchthaube untergebracht. Diese ist deshalb so wichtig, dass zu rettende Personen im Notfall durch eine Zone mit dem giftigen Brandrauch gebracht werden können. Neben der Möglichkeit die Tasche umzuhängen kann diese auch als Holster am Schenkel befestigt werden.

Atemschutz-Pool

Bei größeren Atemschutz-Einsätzen wird auf Befehl des Einsatzleiters ein so genannter Atemschutzpool errichtet.

Dadurch soll mitunter sichergestellt werden, dass die Atemschutzeinstäze innerhalb des Einsatzes gleichmäßig auf die Geräteträger verteilt werden. Somit soll die körperliche Belastung für jeden einzelnen sinken. Dadurch ergibt sich auch ein weiterer Vorteil: Auch Atemschutzgeräteträger, die bis dato noch nicht über viel Einsatzerfahrung verfügen, können dort ihre Erfahrungen ausbauen. Denn Übungen können die Einsatzpraxis nun einmal nur bis zu einem Gewissen Grad wiederspiegeln. Einsatzerfahrung ist also unerlässlich.

Bisherige Einsätze haben außerdem gezeigt, dass die Gerätetrgäer vor allem bei einer kalten Witterung, z.B. im Winter, verschwitzt aus dem Einsatz kommen und anschließend keine wünschenswerte Unterkunft hatten. Auf dem Atemschutzpool-Rollagen ist deshalb ein Faltzelt mit der Größe 6x3m untergebracht. In diesem Zelt, welches bei Bedarf beheizt werden kann, sind die Geräteträger nicht mehr der Witterung schutzlos ausgeliefert, sondern können sich auch auf Bänken für einige Minuten zur Ruhe setzen und neue Kraft tanken.

Ein weiterer, sehr wichtiger, Vorteil ist, dass die Kameraden der Schnelleinsatzgruppe die Einsatzkräfte nach dem kräftezehrenden Atemschutzeinsatz medizinisch überprüfen können. Dadurch können zum einen Unregelmäßigkeiten früh erkannt werden. Zum anderen wird dadurch aufgezeigt, ob der Geräteträger aus mediznischer Sicht für einen Folgeeinsatz geeignet ist.